Galerie

27.04.2018 – 08.06.2018, MARK – Gruppenausstellung von 10 internationalen Künstler*innen

Finissage 08.06.2018

 

MARK

steht für Gewichte, Namen, Produktbezeichnungen, Schiffe, Währungen, Grenzen, Landgebiete, Territorien, Ortsteile, Lebensmittel, Binde- und Stammzellgewebe und ab sofort für Kunst!
Für neue Kunst in der alten Chur- und Hauptstadt der Mark!

Durch die MARK Brandenburg kann man vortrefflich wandern, ist „immer unterwegs, immer in Bewegung und am liebsten ohne vorgeschriebene Marschroute, ganz nach Lust und Laune.“ Das Wandern ist des Fontanes Lust und dient also der Erbauung, dem Spaß, der Ertüchtigung, aber auch der Forschung, der Suche, der Walz, dem Handel oder der Flucht.

Zehn ganz besondere, suchende wie angekommene, wagemutige wie rastlose, hart schniegelnde (= arbeitende) wie fröhlich schallernde (= singende) WandergesellInnen machen Rast, halten inne in Brandenburg an der Havel und zeigen, was sie auf langen Wegen ersonnen und geschaffen haben: stille und bewegte Bilder, Skulpturen, Installationen. Diese Zeugnisse des Um- und Aufbruchs, der Besinnung und der Veränderung werden vom 6. April bis zum 18. Mai 2018 in der Kunsthalle Brennabor ausgestellt.

Weit gereist sind die „verflixten 10“, haben das Sächsische und Niedersächsische, Rom und Tel Aviv, das Persische und Polnische, Prag und Potsdam längst hinter sich gelassen, verständigen sich bestens in rotwelscher Mundart, einem deutschen „Soziolekt gesellschaftlicher Randgruppen, der seit dem Mittelalter besonders bei Bettlern, fahrendem Volk, Vertretern unehrlicher Berufe, Künstlern und in kriminellen Subkulturen gebräuchlich ist“.

Wandern kann „großes Glück sein oder tiefe Angst erzeugen, … immer macht es schlau und eröffnet neue Welten“. Ohne Zweifel lässt sich das auf unsere zehn Ankommenden/Abfahrenden beziehen: Meisterhaft sind sie im Umgang mit Farben, Federn, Pinseln. Virtuos beim (Er-)Finden von Strukturen und Formen. Hellwach bei der Suche nach Motiven und Themen. Leidenschaftlich bei der Übersetzung von Träumen und Emotionen. Offen und mutig „die Geschichten von Orten und Personen erst zu hören und dann weiter zu erzählen“ (Theodor Fontane).

Nicht nur Valentina Michelini, achtsame Farbenzauberin, hat sich an Fontane wie an Joseph von Eichendorff, den „frühen Europäer“, orientiert: „Mich brennt‘s an meinen Reiseschuhn, fort mit der Zeit zu schreiten.“
Hadas Hinkis, multiplexe Grenzgängerin, weiß: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.“
Sabine Küster, zeichensetzende Sprachakrobatin, kündigt an: „Da komm ich durch die Stadt geschritten, fernher durch den Abend kühl, stell mich in des Kreises Mitten, grüß und zieh mein Sprachenspiel. Und wie ich die Wörter schwenke, ziehn die Sätze in der Rund allen recht durch die Gelenke bis zum tiefsten Herzensgrund.“
TAD.berlin, wagemutiger Transformer, ergänzt: „Und es rauscht die Nacht so leise durch die Waldeseinsamkeit, und ich sinn auf neue Weise, die der Menschen Herz erfreut.“
Dora Ragusa, klarsichtige Porträtistin, kann erzählen: „Ich komme aus Italien fern und will euch alles berichten, vom Berg Vesuv und Romas Stern die alten Wundergeschichten.“
Carla Pohl, feinsinnige Bilderstürmerin, ist sich sicher: „Wer in die Fremde will wandern, der muss mit den Liebsten gehn, Es jubeln und lassen die andern den Fremden alleine stehn.“
Mehrdad Mobasseri, Versöhner des Konkreten und Abstrakten, fügt wehmütig hinzu: „Was wisset ihr, dunkele Wipfel, von der alten, schönen Zeit? Ach, die Heimat hinter den Gipfeln, wie liegt sie von hier so weit!“
Christiane Bergelt, sinnenfrohe Traumdeuterin, lässt sich nicht beirren: „Grüß dich, Da sind wir nun, jetzt alle heraus, die drin noch Küsse tauschen! Wir brechen sonst mit der Tür ins Haus: Klang, Duft und Waldesrauschen.“
Kirsten Bitterroff, Vollenderin zarter Konturen, kann auch anders: „Ich möcht in den tiefsten Wald wohl hinein, recht aus der Brust den Jammer zu schrein, Ich möchte reiten ans Ende der Welt, wo der Mond und die Sonne hinunterfällt.“
anadyhomene, Dirigentin bewegter Bilder, beruhigt: „Es war, als hätt’ der Himmel die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst‘. – Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.“

Das brennaboriale Haus, wunderschön und aufgehübscht, beziehen die 10 zünftigen Wanderburschen und –madln, unterbrechen ihre Reisen, folgen dem ehrbaren Auftrag, für sechs Wochen als vollendende BaumeisterInnen zu wirken. Rufen Euch in Abänderung gelungener Schüttelreime allseits bekannter Herzenswanderer jetzt schon zu:
Wir baun ‚ne Stadt für Euch – Aus Liebe, Zuversicht, zum fröhlich Sein – Und jede Straße die hinausführt – Führt auch wieder rein – Wir baun eine Stadt für Alte, Junge, Kinder: Gebt uns nur Steine, geben wir Euch Sand – gebt uns nur Farbe, geben wir Euch Land – gebt uns nur Wasser, rühren wir den Kalk – gebt uns nur Hoffnung, rühren wir die Zeit – wir verzaubern diese Stadt für Euch und wandern weiter weit.

Christian Kneisel

 

Vernissage 27.04.2018

 

 

Aufbau:

 

Bald geht es los, alle sind fleißig beim Aufbau:

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Dieser ist in der Kunsthalle zu erwerben.