22.06.2018-03.08.2018 Ausstellung Ahmet Günestekin – Generation Patchwork

Vernissage 22.08.2018

 

 

 

Ahmet Güneştekin in der Kunsthalle Brennabor

Ahmet Güneştekin (geb. 1966) ragt aus der nicht immer überschaubaren Gemengelage zeitgenössischen Kunstgeschehens in verblüffender wie rätselhafter Weise heraus. Er arbeitet souverän mit sehr verschiedenen Medien und ist bei aller fass- wie unfassbaren künstlerischen Verwandlungsfähigkeit wiedererkennbar, bleibt dabei stets geheimnisvoll wie auf der Suche (nach noch mehr Licht), hat Unglaubliches und Vielstimmiges mitzuteilen.

Istanbul, kultureller Teilchenbeschleuniger der so besonderen Art, ist sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Die Stadt hat ihn geprägt, ist aber auch spürbar angefasst von seinen ästhetischen Interventionen. An der Schnittstelle zwischen Europa und Asien konnte Güneştekin Sichtweisen entwickeln und kultivieren, die ihn zum Mediator tatsächlich wie scheinbar verschiedener Welten gemacht haben. Der Mann spricht sehr eigne künstlerische Sprachen, verfügt über polyphone Ausdrucksmöglichkeiten, die ihresgleichen suchen. Ästhetische Ein- und Zuordnungen sind – welch Glück – kaum möglich.

Der türkische Künstler kurdischer, jesidischer Herkunft ist Autodidakt. Hatte im zarten Alter von 16 seine erste Ausstellung. Malt auf Leinwand. Schreibt und produziert Filme und Videos. Kreiert mit unterschiedlichen Stoffen großformatige Bilder. Gestaltet mit Keramik, Textilien und Metall ausladende Skulpturen.

Ahmet Güneştekins wurde wesentlich beeinflusst von seinem Ziehvater Yasar Kemal (1923-2015), dem wichtigsten kurdisch-stämmigen Schriftsteller der Türkei, der sich bereits in jungen Jahren nicht scheute, den Mächtigen des Landes entgegen zu stellen, dafür schon als 17jähriger ins Gefängnis kam. Beide verband die gemeinsame Begeisterung für die Magie des Wortes, für Heldenlegenden, Epen und zeitlose Menschengeschichten.

In seinen Werken – vom textilen Patchwork bis zur Metallskulptur – überschneiden sich Formen und Geschichten aus verschieden Kulturkreisen. Mythische Vergangenheiten transformiert er in abstrakte, außerbildliche Konstellationen, immer ins Licht. „Mein Markenzeichen ist sie Sonne“, so der Künstler, „meine jesidischen Vorfahren haben vor ihrer Islamisierung die Sonne angebetet“ und fügt hinzu: „Jesiden wurden ins Abseits gestellt, ausgegrenzt als Fremde.“

Sein besonderes Gespür für Licht und strahlende Farben zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten. Dabei überlappen sich die Farben, Formen und Geschichten aus verschiedenen Kulturkreisen. Dass türkische/kurdische Gegenwartskunst internationale Aufmerksamkeit genießt, ist nicht zuletzt ihm zu verdanken.

In die internationalen Schlagzeilen geriet Ahmet Güneştekin 2017 dadurch, dass seine Skulptur mit dem Namen „Konstantiniyye“, die er für ein neues Einkaufszentrum in Istanbul errichtet hatte, wieder abgebaut werden musste. Islamische Fundamentalisten stießen sich am Namen der einst christlichen Stadt. Er klang ihnen nicht türkisch genug.