17.08.2018-28.09.2018 Gruppenausstellung ART:ICH II – Die nächste Generation

Art:Ich II – Die nächste Generation

Erfolgreich war 2016 die erste Art:Ich-Ausstellung mit Brandenburger KünstlerInnen der „Generation Ü 50“. Jetzt geht es aufs Feinste und konsequent weiter. Natürlich ganz anders! Zum Glück. Die hier und jetzt in der Art:Ich II präsentierten KünstlerInnen – zwischen Ende 20 und Anfang 50 – lieben die Lieder, schätzen die Geschichten der Altvorderen, komponieren aber neue Strophen, haben eigene Erzählungen, malen andere Bilder.

Brandenburg an der Havel, Havelland, Mittelmark waren und sind gewichtige kulturelle Schnittstellen, haben KünstlerInnen schon immer ganz besondere Spielfelder und Aktionsräume geboten. Wie attraktiv die Region gerade für die „nächste Generation“ ist, beweisen nicht zuletzt die seit Jahren kontinuierlichen Zunahmen von Ateliers und Werkstätten, die wachsende Zahl von Ausstellungen und Kunstprojekten.

Die Gründe, genau hier zu leben und/oder zu arbeiten, haben sich für eine Generation, die barrierefrei in die Welt ziehen konnte, erlebt hat, was zwischen Kapstadt, New York und Ulan Bator abgeht, die sich anderenorts auf Vielfältiges bestens eingelassen hat, auch im Netz den Kontakt zur Welt hält, sind sehr spezifisch. Die heitere Gelassenheit der Havelstadt, das entspannte Miteinander in dörflichen Gemeinden, Ruhe, Einsamkeit, Weitblick zwischen See-Feld-Wald, sicher auch ausladende und leistbare Lebens- und Arbeitsbedingungen wie Nähe und Distanz zu Berlin und Potsdam, haben zu der Entscheidung kreativer Menschenkinder, ihre Träume und Phantasien abseits aufgeregter/aufregender Metropolen zu leben, beigetragen.

Die Ausstellung zeigt weit auseinanderliegende ästhetische Positionen, präsentiert mit Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation, Collage und Assemblage unterschiedliche bildkünstlerische Genres.

Jana Wilsky kennen wir als Übersetzerin körpersprachlicher Interaktionen in traumhafte Bildchoreographien. Als Zauberin, die Klang in Farbe verwandelt. Nun setzt sie uns der Stille, aber auch kräftig tosendem Wind aus. Die Künstlerin ist Vertreterin einer tiefgründigen wie heiteren Abstraktion. Sicher ist: Jana Wilskys Kunst macht staunen, große Freude so-wie-so und Lust auf mehr, noch mehr.

Spätestens seit der letztjährigen Fotokunstausstellung in der Kunsthalle Brennabor weiß man auch in seiner Heimatstadt, was im Ausland längst bekannt ist: Tobias Wagner ist der fulminante Chronist international agierender Skateboarderszenen. Wie er diese Virtuosen des flachen Bretts ins rechte Bild setzt ist atemberaubend. Mit vorwiegend in schwarz/weiß gehaltenen Fotografien fängt er das aberwitzige Tempo dieser Mixtur aus Sport, Artistik und tänzerischer Aktion in perfekter wie lässiger Weise ein.

Jan Spiess ist da als Meister der Entschleunigung von ganz anderem Kaliber. Er liebt das Be-Sinnliche, lebt und malt das/die Stille. Die bildliche Darstellung regloser Dinge, häufig Blumen, Gemüse, Obst, entwickelte sich in der europäischen Kunsttradition mit Beginn des 17. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Gattung, die bis in die Gegenwart gepflegt wird. Jan Spiess weiß, magische Momente mit altmeisterlichen Strichen einzufangen. Verweigert sich konsequent Trends, Moden, ist Traditionalist und Bewahrer.

Herkömmlichen kunstwissenschaftlichen Etikettierungen entzieht sich Franka Schwarz (auch) dank ihrer stilistischen, handwerklichen, thematischen, spirituellen Vielfalt mit List und Lust. Mit klarem Blick seziert sie familiäre Idyllen und feierliche Zusammenkünfte, interpretiert heimatliche Landschaften, huldigt Baba Jaga und wildem Federvieh. Schwarz ist eine Alchimistin der Objektkunst, die aus gefundenen Alltagsmaterialien, Weggeworfenem Neues kreiert, eine Malerin, die Gegenständliches und Abstraktes verschmelzt und kontrastiert.

Annelie Knobloch ist spätestens seit ihrer großen Brennabor-Präsentation 2012 als Architektin ausladender Installationen und Meisterin der Abstraktion weithin bekannt. Über die Region hinaus schätzt man sie als Dozentin, Lehrerin, Sängerin, Schauspielerin. Klug, feinsinnig bis brachial überschreitet sie ständig Grenzen – ästhetische, formale, genretypische. Jetzt zeigt sie sich von einer neuen Seite – als feinfühlige Porträtistin starker Frauen. Frauen, die sowohl in größter Wut wie in tiefster Entspannung eine ungeheure Kraft ausstrahlen. Mit zarten wie kräftigen Farben, mit wohl gesetzten – feinen wie heftigen – Strichen kommt die Künstlerin ihren Modellen ganz nah.

Smajil Besic malt, so konnte man es vor Jahren im Feuilleton lesen, um unterschiedliche, widerstreitende Gefühle ausdrücken, „aus einer Welt voller Regeln ausbrechen“ zu können. In der Art:Ich II präsentiert der Künstler erstrangig von ihm designte Möbel und Wandobjekte. Seine wunderbar exzentrischen Regale, Schränke, Tische belegen ,wie groß die Nähe zwischen freier und angewandter Kunst sein kann. Ein Regal von Besic kann/soll natürlich der Aufbewahrung dienen, würde aber sofort, seiner Funktion enthoben, als autonomes und sinnliches Kunstwerk durchgehen.

Ständig auf der Suche nach ausgemusterten Gegenständen, abgelegten Baumaterialien oder Spielzeugen, entsorgten Papieren, Beuteln, Folien ist auch Katharina Forster. „Aus getrockneten Teebeuteln, leeren Joghurtbechern, Gelben Säcken oder (unbenutzten) Windeln stellt sie so Objekte oder Skulpturen her.“ (MAZ) Dabei ist die Künstlerin in der Regel nicht an der ursprünglichen Funktion der gesammelten Materialien interessiert, sie sortiert sie häufig nach Farbe, Größe, Beschaffenheit und fügt, näht, klebt, stellt sie zu Skulpturen oder Bodeninstallationen oder Reliefen zusammen. Forsters Werke sprechen/stehen jenseits außerkünstlerischer Thematiken stets „für sich selbst“ und entfalten ganz eigene Sinnlichkeiten.