24.9.-6.11.2022 Sador Weinsčlucker – Der lange Schlaf

 

Sador Weinsčlucker (*1957), in Düsseldorf geboren, zwischen Berliner und vielen weiteren Aktionsräumen hin- und herpendelnd, ist ein (malender) Verführer und großzügiger Gastgeber. Er lädt ein in menschenleere Innenräume, entführt in verträumt-alptraumhafte Landschaften.

Weinsčlucker ist vielfältiger, immer noch mehr Konstrukt verheißender Architekt, klassisch geprägter, stets abseits gängiger Moden agierender Maler und himmlische Weiten abtastender Wetterkundler. Eindringlich und virtuos kreiert und beherrscht er das Spiel zwischen Innen und Außen, Konstruiertem und Vorgefundenem, schafft Verbindungen und Gegensätze zwischen dem von Menschenhand Modellierten und dem von Naturgewalten Gestalteten. Er verfolgt eindringlich ein klassisch-malerisches Konzept und führt uns zurück zu ursprünglichsten Sujets der bildenden Kunst. Die Malerei von Sador Weinsčlucker begeistert durch die Fusion von einerseits altmeisterlicher Anmutung und dennoch einem spielerischen Umgang mit technischen Phänomenen der Jetzt-Zeit.

Nur scheinbar sind seine Bilder von Mensch, Tier und Pflanze befreit, sie finden ihre Vollendung und Erweiterung durch den Betrachter, dem nichts anderes übrig bleibt, Mitwirkender, Agierender jedes einzelnen Werkes zu werden. Karge Wüstenlandschaften, schneebedeckte Berge, zerklüftete Flusslandschaften, vor, über, hinter aberwitziger Baukunst werden vom Sehenden erkundet, eingenommen, belebt. Abenteuerliche Filme im Kopf und im Herzen entstehen unvermeidlich. Es geht in lustvoller Erwartung, aufregender Spannung und risikoreichem Übergang nicht anders: Isolation als Vorstufe zum bewegten Wir, Abwesenheit als Vorbereitung zum freudigen (Paar-)Tanz. Hoffnung und Aufbruch sind die Folge.

Die immanenten, der Realität abgeschauten wie die erfundenen, durchgeschüttelten Perspektiven, zusätzlich architektonische Täuschungen und meteorologischer Aber- und Farbenwitz bilden die Grundlagen, in phantastische, surreale, gänzlich neue Welten einzutauchen. Weinsčluckers virtuose, mit dem Spiel von Licht und Schatten an dramaturgisch ausgefeilte Barockmalerei erinnernde Malkunst, seine sinnlichen Bildkompositionen bilden die entscheidenden Voraussetzungen, Seelenzustände des Betrachters aufzunehmen, zu hinterfragen, zu erhellen, zu klären, zu entwickeln. Er ist ein so liebevoller wie anstrengender, so verschmitzter wie frecher Verführer – nie ausschließend, dass die Schauenden zu Schöpfern und Regisseuren werden.

Damit könnte jedes einzelne seiner Bilder ein Libretto für eine große Oper werden. Kommen und schauen Sie, lassen Sie uns zusammen einstimmen und nach so anderen, ganz neuen Melodien suchen.

Christian Kneisel

 

VERNISSAGE:

Freitag, 23.9. – 18 Uhr

Eröffnungsrede: Kurator Christian Kneisel

Elektronisch experimentelle Begleitung:

Mathias Kriesel und Thomas Krause

 

TERMINE:

Samstag: 8.10.

BRENNABOR_LAB präsentiert:

16:30 Uhr – musikalische Lesung

„Das unerhörte Knistern von Kleinigkeiten“.

Word trifft Ton & Bild mit Texten von Jana Franke,

vertont durch Wenzel Benn (Saxophon)

 

19 Uhr – The Great Boredom – Jazz

mit Nicolas Schulze (Fender Rhodes Piano) und

Daniel Kartmann (Drums)

 

Sonntag: 16.10. – 16 Uhr

Kurator Christian Kneisel im Gespräch mit dem Künstler Sador Weinsčlucker

 

Samstag: 29.10. – 19 Uhr

BRENNABOR_LAB präsentiert:

Breath, Tongue and Melody – Jazz

mit Magdalena Weber (Stimme, Text),

Richard Koch (Trompete),

Matti Thölert (Schlagzeug)

Nicolas Schulze (Fender Rhodes Piano)

 

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